Web-Porno-Sperren in Island?

Die Debatte über Web-Sperren ist fast so alt wie das Web.

Jede Kultur hat ihre eigenen Tabus. In Deutschland ist es überwiegend Gewalt, Nazis und Zweifel an der Klimaerwärmung. In den USA ist es überwiegend Pornographie. In Australien ist es überwiegend Selbstmord. Vielleicht ist ein – gemessen am kulturellen Rahmen – großzügiger Tabu-Filter wirklich sinnvoll, nach 20 Jahren der einschlägigen Debatte weiß ich es nicht mehr.

Das wichtigste Argument gegen Filter ist und bleibt allerdings, dass die Frage einer fairen Unterscheidung zwischen „gutem“ und „bösem“ Inhalt nach wie vor nicht geklärt ist.

Gerade jetzt, wo Fehlverhalten in Politik, Wirtschaft, Militär und Kirchen die Schlagzeilen prägt, gibt es keine Institution mehr, der man zutrauen kann, in dieser Hinsicht faire Entscheidungen zu treffen.

Intel baut keine Mainboards mehr – naht das Ende des PC-Zeitalters?

Was ist denn das „PC-Zeitalter“?

Ich erwarte, dass der Allround-PC zu Hause über die nächsten Jahre hinweg sukzessive verschwindet. Diese Entwicklung zeichnet sich schon seit einiger Zeit ab, IBM bzw. Lenovo ist da ein prominentes Beispiel, und einige der strategischen Unfälle im Hause HP waren von der gleichen Entwicklung getrieben. Und einige habe ich bestimmt verpasst.
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HowTo: Maven, Spring und JBehave

Und nun zu etwas ganz anderem: Ich habe wieder begonnen, zu programmieren.

Eines der Themen, das mich sehr fasziniert, ist „Behaviour Driven Development„. Dazu gibt es in Java einen netten Framework namens JBehave. Leider finde ich die Dokumentation zu JBehave etwas mager. Ich mag das Prinzip: „Make the simple things simple and the hard things possible“ (etwa: Mach die einfachen Dinge einfach und die schwierigen möglich).

Darum hier mein „Dankeschön“ an die Entwickler von JBehave: Eine möglichst einfach Bastelanleitung, wie JBehave in bestehende Maven-Projekte eingebaut werden kann. Im Moment arbeite ich auch mit Spring, also geht es hier darum, einen  minimalen Startpunkt zu schaffen.

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Soll ich auch der Böse sein?

Sehr genial: „Ich bin die Böse„. Auf mich übertragen:

Ich bin der Böse, obwohl ich seit über zwanzig Jahren praktisch mein ganzes freies Einkommen in Nutzungsrechte irgendeiner Art „investiere“. Ich tue das seit zwanzig Jahren, obwohl ich seit über fünfzehn Jahren Alternativen habe. Ich gebe sogar mehr Geld dafür aus als ich Zeit-Äquivalent habe, hier türmen sich ungelesene Bücher und ungesehene DVDs. Trotzdem muss ich mir immer wieder anhören, …

Ich zitiere – denn wenn ich’s auch so schön schreiben könnte, könnte der Rest von mir sein:

Trotzdem muss ich mir immer wieder anhören, wie böse wir Internetmenschen sind, weil wir immer nur alles umsonst haben wollen und nicht mehr bereit wären, Geld für Kunst zu bezahlen. Liebe Urheber, ich bin sehr wohl dafür, dass ihr Geld für das bekommt, was ihr macht. Es ist mir eigentlich auch schnurzpiep, was ihr bekommt, ich wage überhaupt nicht, eine Meinung darüber zu haben, was welcher Inhalt wert sein sollte. Wenn hunderttausend Leute ein Buch kaufen wollen, dann liegt es mir fern, beurteilen zu wollen, ob das Buch bzw. dessen Autor das jetzt verdient hätte oder nicht. […]

Trotzdem funktioniert die Art, wie das Urheberrecht gehandhabt wird in meinen Augen nicht mehr und ich habe schlicht und einfach ein Problem damit, als jemand, der von dem ihm zur Verfügung stehenden Geld einen nicht unerheblichen Anteil sehr, sehr direkt in vom Urheberrecht betroffene Konsumgüter und Veranstaltungen steckt, dann noch kriminalisiert zu werden.

Und ich füge Annes Artikel hinzu: Und ich habe die Nase voll davon, dass diese ehrlich erworbenen und bezahlten Nutzungsrechte sich dauernd unter meinem Hintern weg zu meinem Nachteil ändern, weil das neue DRM streikt, weil das DRM bzw. Dateiformat mit einem Gerät inkompatibel ist, weil irgendjemand den DRM-Server abschaltet, weil ein neues Gesetz meine (bestehenden!) Rechte geändert hat und so weiter.

Wenn es böse ist, dass ich mich hier persönlich beleidigt, angegriffen und benachteiligt fühle, dann bin ich gerne böse, und ich verstehe sogar noch, dass es einigen „Urhebern“ (naja… vielleicht eher den Verwertern) ähnlich geht: Dass sie sich angegriffen und benachteiligt fühlen.

Die digitale Gesellschaft hat das Potenzial dazu, dass wir in eine Win-Win-Welt steuern, doch so lange wir die Paradigmen der analogen Gesellschaft ohne sie zu reflektieren der digitalen überstülpen, bekommen wir offensichtlich Loose-Loose: Ich fühle mich benachteiligt und angegriffen, und die Urheber fühlen sich genauso. Das haben wir jetzt seit etwa 15 Jahren ausprobiert, wir könnten jetzt wissen, dass das mit dem „Loose-Loose“ sehr zuverlässig funktioniert.

Wie wäre es endlich einmal mit „wir reflektieren die Paradigmen und passen sie an die digitale Welt an“?

WordPress verlangt Verbindungsinformationen

Memo an mich selbst: Falls wieder einmal ein WordPress-Blog mit der Meldung „Verbindungsinformationen eingeben“ den Update verweigert, hier sind die beiden wichtigen Infos:

Touching My Desktop

Kristian Köhntopp schreibt unter der überschrift „Touching My Desktop“ spannende Dinge über das neue Layout von Google+. Und Windows 8. Und MAC OS X Lion. Und  in den Kommentaren zu seinem Artikel kommt auch noch Gnome dazu. Die wesentliche These ist:

Genau wie Windows 8 oder Apple hat Google das Problem, Anwendungen für eine neue Geräteklasse und Verwendung in neuen Lebenssituationen anpassen zu müssen.

Immerhin: Es gab früher Computerfirmen, die zu lange an „ihren“ alten, für neu-Nutzer untauglichen UI-Konzepten festgehalten haben. Das scheint diesmal nicht das Problem zu sein, die Firmen vergrätzen lieber „Bestandskunden“ um noch ein paar Neukunden zu gewinnen. Gleichzeitig finde ich es seltsam, denn die damaligen Sprünge an Neu-Nutzern (10x in einem Jahr oder so) erwarte ich jetzt nicht mehr.

Technisch könnte ein Teil der Antwort „Model-View-Controller“ sein, das läuft auf spezialisierte Apps hinaus.

Aber das ist eben auch nicht der Traum vom Geräte-unabhängigen Internet. Das ist teuer für die Firmen, das macht einen starken Lock-In für die Anwender, und die verschiedenen Apps halbwegs Feature-äquivalent zu halten ist doof, komplex, fehleranfällig und am Ende eben auch wieder teuer, das heisst drei Apps entwickeln kostet deutlich mehr als die dreifachen Entwicklungskosten einer App.

Vielleicht haben wir hier „einfach“ eine neue Design-Komplexität, die noch niemand (!) wirklich gut gelöst hat. So ist IT eben: Sobald ein Problem halbwegs gelöst ist, lauert das nächste.

Irgendwann war effektive Datenspeicherung ein Problem (zwei Ziffern für Jahreszahlen und so), CPU-Kapazität war mal ein Flaschenhals und Hauptspeicher. Auf dieser Ebene sind es heute eher Latenzen und Bandbreiten. Die „Browser Wars“ und Feature-Inkonsistenzen zwischen Browsern kommen inhaltlich diesem Thema ziemlich nahe, und jetzt – wo die Standardisierung in der Web-Welt langsam zu funktionieren beginnt – kommt die Explosion der zu bedienenden Endgeräte und Verwendungskontexte hinzu. Das W3C war da mit CC/PP (seit ~1999, ironischerweise in verschiedenen Ausprägungen bis Juli 2010) wohl ein wenig früh dran.

Einfach nur das Wissen um ein Geräte-Profil scheint zur Lösung auch nicht beizutragen. Ich vermute, dass es auf mehrere Apps hinausläuft (so wie es Facebook auch vormacht), und dass eine intelligente Segmentierung der Apps nach Verwendung und Geräteklasse der Schlüssel zum Erfolg. Eine Firma wie Google müsste drei Apps noch stemmen können, aber ein Dutzend wahrscheinlich nicht mehr.

Meine Kristallkugel sagt: Es gibt keine Patentlösung sondern viel Frust (für Anwender) und harte Arbeit (für Entwickler und Produktmanager). Der Umgang mit der Geräte- und Verwendungsvielfalt mausert sich zu einem wichtigen Feld für den Wettbewerb in den nächsten Jahren.

Facebook und der Doppelklick-Empfehlungsknopf

Situation:

Das Verwenden von Facebook-Funktionalitäten (Like-Knopf, das Panel der Freunde, …) in der eigenen Webseite führt dazu, daß jeder Aufruf der Webseite Daten an Facebook in die USA schickt – egal ob der Surfer Facebook-Mitglied ist oder nicht, egal ob er/sie angemeldet ist oder nicht. Wahrscheinlich sind diese Daten personenbezogen (*), sollten also unter den Datenschutz fallen. Analoges gilt für Google Analytics und Googles neues „+1“. Heise bietet das alles auch für Twitter an, doch ich denke das hat eher Gründe der einheitlichen Bedienung.

(*) Mit „wahrscheinlich“ meine ich: Im Facebook Hilfebereich zum Thema steht beispielsweise über diese Daten: „… Wir speichern diese Daten für einen Zeitraum von 90 Tagen. Danach kombinieren wir diese Daten mit den Daten anderer Personen in einer Art und Weise, die keinen Rückschluss auf dich persönlich zulässt …“ – umgekehrt scheinen in den ersten 90 Tagen solche Rückschlüsse möglich zu sein.

Komplikation:

Die Rechtslage ist in der Diskussion, es gibt in Deutschland keine abschließende richterliche Entscheidung zum Thema, also in diesem Sinne Rechtsunsicherheit. Als Laie formuliert: Die Datenschutz-Vorschriften verlangen eine explizite Genehmigung zur Verarbeitung personenbezogener Daten, insbesondere zum Export aus der EU heraus, z.B. mit einem Pop-Up. Da europäische Beamte (bspw. die deutschen Datenschutzbeauftragten) an Facebook nicht `rankommen, treten die Datenschützer mehr und mehr an die Webseitenbetreiber heran, die solche Facebook-Features verwenden.  Die meisten Webseiten-Betreiber gehen der Diskussion so gut wie möglich aus dem Weg. Wer will schon so eine Stellvertreterdiskussion bis zum BGH/BVerfG (wer auch immer da zuständig ist) durchfechten???

Potenzielle Lösung:

Der für seine Computer-Kompetenz bekannte Heise-Verlag hat unter dem Projektnamen „2 Klicks für mehr Datenschutz“ eine Lösung erstellt, mit der wenigstens der Gefällt-mir-Knopf (und Twitter und Google „+1“) keine Daten beim Laden der Seite an Facebook schickt, sondern erst nachdem der Anwender den Knopf aktiviert indem er ihn einmal klickt. Das eigentliche „Gefällt mir“ passiert erst, wenn der Knopf noch einmal geklickt wird. Die Lage wird in einem Tooltip auf dem inaktiven Knopf erklärt, d.h. ein Text taucht auf, wenn die Maus über dem Knopf ruht.
Das wirkt auf mich wie ein vernünftiger Kompromiss. Facebook hat sich kurz dagegen gesträubt und ist scheinbar inzwischen halbwegs mit der Lösung einverstanden.

Jedenfalls bietet Heise den Code inzwischen unter der Überschrift „jQuery Plug-In socialshareprivacy – Dokumentation“ unter einer Open-Source-Lizenz an.

[Nachtrag: Auch als WordPress Plugin erhältlich: http://blog.ppfeufer.de/wordpress-plugin-2-click-social-media-buttons/ ]

Kommentar:

Es wird höchste Zeit, daß die USA die „OECD Guidelines on the Protection of Privacy and Transborder Data Flows of Personal Data“ ratifizieren und in nationales Recht umsetzen. Die gibt’s ja erst seit 1980. Dann hätten wir viele dieser Diskussionen nicht. Alternativ dazu könnten sie die „Safe-Harbour„-Regeln durchsetzen (gibt’s seit 2000).  Ich kenn‘ die Diskussion schon länger.

Ich interpretiere auch Facebooks zögerliche Zustimmung zu der Lösung nicht als Committment zu den Europäischen Bestimmungen.

ditto!

Neulich flog hier eine neue iPhone-App vorbei: ditto!.

Die Schlagzeile war dick:

Ditto: The Social App For What You Should Be Doing

und der Tweet dazu noch dicker:

“It is simpler than Facebook, more fun that Twitter, and more useful than Foursquare”

Dieses Wochenende habe ich ditto! ausprobiert und bin zu dem Ergebnis gekommen: Das wird das nächste große Ding.

Wo ist der Punkt?

Location-basierte Check-in-Apps gibt’s schon einige, die bekanntesten sind Gowalla und Foursquare, und Facebook und Twitter haben die Funktionalität nachgebaut. Der Witz an ditto! ist: Es geht nicht darum, sich dort anzumelden, wo man ist, es geht darum, sich dort anzumelden, wo man hinwill!.

Die Idee dahinter ist natürlich die gleiche: Ich möchte Freunde treffen, idealerweise wo ich sowieso hingehe. Das klappt eben viel besser, wenn diese Freunde Vorlaufzeit bekommen.

Szenario 1: Ich gehe zu Starbucks einen Kaffee trinken und checke bei Gowalla, Foursquare, Facebook oder Twitter ein. Angenommen ich brauche eine Viertelstunde für den Kaffee, dann haben meine Freunde 15 Minuten Zeit, um alles stehen und liegen zu lassen und zu diesem Starbucks zu kommen.

Szenario 2: Ich zeige bei ditto! meine Absicht an, bei Starbucks einen Kaffe zu trinken. Dann mache ich mich auf den Weg (sagen wir, 30 Minuten?). Dann haben meine Freunde 45 Minuten Zeit, und die Chance, jemanden zu treffen, steigt erheblich.

OK, ditto! ist noch wirklich jung. Im Moment habe ich einen (1) ditto!-Freund. Da passiert noch nicht viel. Der Service ist auch noch ein wenig … sagen wir, rudimentär. Beispielsweise gibt es kein Web-Interface zu meinen ditto!-Daten, alles ist nur über die iPhone-App zugreifbar. Und im Moment hängt alles von Facebook ab, als am Wochenende das Interface zwischen ditto! und Facebook Schwierigkeiten hatte, war der Service weg.

Und es ist eine vielversprechende Idee. Ich bin gespannt, wie sie sich entfalten wird.