Wie funktioniert eine Domain?

Neulich:

Welche Seite empfiehlst du, um einen Namen für meine Homepage zu kaufen? Ist danach eine jährliche Gebühr fällig oder wie läuft das?

Da hole ich lieber einmal etwas weiter aus:

Ich vermute daß die Frage hinter der Frage ist: Wie funktioniert es, wenn ich ein Internet-Angebot machen will?

Dann wäre die Antwort ungefähr so:
Ein Internet-Angebot funktioniert wie ein Baukasten. Es gibt mehrere Module, die man unabhängig voneinander betreiben kann, und am einfachsten ist’s, wenn alles aus einer Hand kommt.

Zunächst: Wer sich bei einer Einführung ins Thema auf dem aktuellen Niveau nicht unterfordert fühlt, sollte wahrscheinlich das ganze Thema Internet/Webseiten/Email an eine gute Agentur abgeben, und dann wäre diese eine Agentur die „eine Hand“. Ja, das kostet Geld. Und der Schaden, wenn etwas nicht funktioniert und man kann’s nicht alleine wieder einschalten kann inzwischen Firmen komplett aushebeln. Wie wäre es beispielsweise, wenn ab Freitag Email nicht mehr funktioniert und frühestens am Dienstag ein frisch eingeschalteter Techniker das Ganze wieder zum Laufen bringt?
Unter den vielen, vielen Agenturen möchte Digital.Branding, die Firma von einem meiner Freunde, hervorheben.

Für die Fans des Baukasten, die wichtigsten Module sind:

Domain-Name

Der Domain-Name ist der Name, den man im Browser in der Adresszeile eingibt, und/oder der Name, der in einer Email-Adresse nach dem „@“ kommt. Also beispielsweise: www.digitaler-heimwerker.de oder webmaster@digitaler-heimwerker.de. Der Punkt „.“ trennt dabei die einzelnen Namens-Bestandteile. Domain-Namen enden normalerweise mit einer Länderkennung (z.B. „de“ für Deutschland oder „at“ für Österreich). Außerdem gibt es sozusagen Kennungen, die Funktionen beschreiben, z.B. „com“ für commercial (also kommerziell) oder „org“ für Organisation. Diese funktionalen Kennungen sind in den USA (es gibt zwar „us“, aber es wird praktisch nicht verwendet) und im internationalen Geschäft sehr weit verbreitet. Es ist gut zu wissen, daß die Zuordnung mit wenigen Ausnahmen willkürlich ist, d.h. jeder kann einen Domain-Namen mit „de“-Kennung kaufen, jeder kann einen Domain-Namen mit „com“-Kennung kaufen usw.
Für den Domain-Namen fällt normalerweise eine jährliche Gebühr an.

Web-Server

Wer den Domain-Namen hat, hat erst einmal nur einen (hoffentlich guten) Namen, aber es passiert noch nix. Meistens ist der Domain-Namen sozusagen die Adresse für Email- und Web-Betrieb. Web zuerst: Um Seiten im Internet zu veröffentlichen, braucht man einen Web-Server. Das ist ein Computer, der sozusagen auf einen Domain-Namen „hört“. Um eine Webseite anzuzeigen, ruft der Browser sozusagen diesen Server an und holt sich die gewünschte(n) Webseite(n) und zeigt sie auf dem Bildschirm an. Theoretisch könnte dieser Computer zu Hause unter dem Schreibtisch stehen, praktisch ist es üblich, eine darauf spezialisierte Firma damit zu beauftragen, den Web-Server zu betreiben. Man spart sich dadurch Ärger mit dem DSL- oder Kabelanbieter (die meisten erlauben den Betrieb eigener Server nicht), und man hat jemanden, der Schuld ist, wenn beispielsweise wegen eines Stromausfalles irgendetwas nicht mehr funktioniert. Die Profis bekommen Themen rund um Computer- und Datensicherheit normalerweise auch besser in den Griff.
Web-Server werden in wahnsinnig vielen Varianten angeboten, für eine eigene Domain gibt es drei wichtige Klassen von Angeboten:

„Webspace“
Normalerweise bedeutet „Webspace“, daß irgendwo ein Server läuft, der auf viele (oft hunderte oder tausende) Domains „hört“ und die Webseiten sauber nach Domain sortiert verwaltet. Man könnt’s mit einer Wohngemeinschaft vergleichen. Diese Angebote sind meistens sehr preiswert, und der Haken ist, daß die Ladezeiten der Webseiten schwer vorhersehbar ist: Wenn auf einer der anderen Domains gerade viel los ist, bleibt weniger Computer-Leistung für das eigene Angebot übrig. Wie in einer WG: Wenn der andere den Tisch nicht abräumt, hat man eben die Sauerei. Für fortgeschrittene Anwender ist oft auch relevant, daß diese Angebote nur eingeschränkt Spielraum haben, um den Server an individuelle Bedürfnisse anzupassen. Bitte prüft unbedingt, ob eure konkreten Vorstellungen zum Angebot passen, oft sind vermeintliche „Standard“-Wünsche bei einem konkreten Webspace-Anbieter nicht realisierbar.
Preislich liegt sowas normalerweise im einstelligen Dollar- oder Euro-Bereich im Monat (mein Bauchgefühl sagt etwa 5$, 5€ pro Monat)
Ein eigener Server (oft „Dedicated Server“ oder so)
Das ist sozusagen das Gegenteil: der Server gehört Dir ganz allein. Irgendwo im Rechenzentrum des Anbieters könnte jemand ein Foto machen, einen der Rechner darauf markieren und sagen: Der gehört Dir. Nur Dir und Dir ganz allein. Das wäre sozusagen das Einfamilienhaus. Vor Leistungsschwankungen wegen anderer WG-Bewohner … äh … anderer Leute Domains auf dem gleichen Server ist man geschützt, und man hat völlige Freiheit darüber, wie der Rechner konfiguriert sein soll. Windows oder Linux? – Der Kunde hat normalerweise die Wahl, und für viele Web-Wünsche ist die Freiheit zu konfigurieren tatsächlich wichtig. Dafür kostet’s normalerweise einen Batzen mehr. Unter 50$ / 50€ ist wenig zu finden, und was billiger ist hat oft zweifelhafte Leistungen. Nach oben hören die Preise irgendwo zwischen ein- und zweihundert Euro auf. (Und wer eine Erklärung wie diese liest, ist mit einem Dedicated Server fast sicher krass übermotorisiert. Eigene Server sind ‚was für Leute mit professionellen Ansprüchen, hunderten von Webseiten im Angebot und tausenden von Besuchern am Tag.)
Ein „virtueller Server“
Das ist sozusagen der Mittelweg, sowas wie ein Mehrfamilienhaus: Mehrere Webseiten-Anbieter teilen sich die gleiche physische Maschine. Doch anstatt da einen Webserver zu betreiben, wird die physische Maschine in mehrere Abteilungen aufgeteilt, die sich alle wie ein „Dedicated Server“ verhalten. Diese Abteilungen heißen „virtuelle Server“, und sie bieten wieder völlige Freiheit für die Konfiguration. Jeder virtuelle Server hat sein eigenes Betriebssystem, seine eigenen Einstellungen und so weiter. Außerdem gibt es sozusagen einen Hausmeister, der sich darum kümmert, daß jeder die ihm zugeordnete Computer-Leistung verwendet und nicht mehr. Es kann durchaus noch Leistungsschwankungen wegen Konkurrenz der verschiedenen „Hausbewohner“ geben, aber diese Konkurrenz läuft in einem kontrollierten Rahmen ab und die Schwankungen sind darum nicht sooo groß. Für Neugierige: Das ist auch das Modell, wie der Digitale Heimwerker betrieben wird). Auch preislich liegen die Angebote in der Mitte, der Rahmen sind ungefähr 10-20€ bzw. 10-20$

Email

Für Email gilt: Praktisch jedes Webspace- und definitiv jedes Server-Angebot bringt einen Email-Dienst mit, und das ist normalerweise das Ende der Diskussion. Manche Leute wollen ausgefallenere Email-Varianten wie bspw. einen Microsoft-Exchange-Server oder Synchronisation mit einem Blackberry-Smartphone. Für solche Spezial-Wünsche gibt es Spezial-Angebote, die man normalerweise mit einem beliebigen Webspace- oder Server-Angebot kombinieren kann. Auch hier gilt: Bitte jeden Einzelfall überprüfen, ich hatte schon einige Projekte mit erheblichen Schwierigkeiten weil eine „selbstverständliche“ Variante eben nicht angeboten wurde.

Webseiten machen

Spätestens hier kann ich wieder nur eine Agentur empfehlen. Es gibt tausende von Wegen und Werkzeugen, Webseiten zu erstellen:

Man kann sie „fest“ erstellen, mit schönen Programmen wie Adobe DreamWeaver oder Microsoft Expression Web. Diese Programme sind relativ teuer. Es gibt auch Open-Source-Alternativen. Es geht auch ganz ohne grafische Werkzeuge – aber nicht ohne Ausbildung oder intensivem Selbststudium (die Stichworte HTML und CSS sollten einen Einstieg bieten).
Manchmal bieten Agenturen solche „festen“ Webseiten an. Davon rate ich auf jeden Fall ab: Dann wird jede Änderung umständlich und teuer, und wo das Web als Technologie gerade Flexibilität zur Tugend erhebt, hebt „umständlich und teuer“ die Hemmschwelle, das wichtigste für jede Webseite zu tun, nämlich sie kontinuierlich zu verbessern.

Man kann Webseiten auch „dynamisch erzeugen lassen“. Das heisst, auf dem Server gibt es eine Datenbank mit allen Texten etc. und ein Programm, das aus diesen Texten Webseiten erzeugt. Unter diesen sogenannten Redaktionssystemen, Content Management Systemen (kurz: CMS) stechen im Moment vier aus der Open-Source-Szene heraus: WordPress (der Digitale Heimwerker verwendet WordPress), Drupal, Typo3 und Joomla!. Diese Programme installieren und betreiben ist wieder eine eher anspruchsvolle Aufgabe – das Schöne ist, daß sich hier eine natürliche Arbeitsteilung ergibt: Eine Agentur kümmert sich um den Server, um das Aussehen der Seiten und darum, daß das Redaktionssystem läuft. Dann kann jemand wie Du und ich die Texte für die Seiten „in“ diesem Redaktionssystem pflegen und betreuen.

Auf einen Blick

Die Antwort auf die Einstiegsfrage wäre also: Mach Dir klar, wie viel oder wie wenig Du willst! Geh, such Dir eine Agentur, der Du vertraust. Die Agentur soll für Dich eine Domain beschaffen, einen Web- und Email-Server betreiben und auf dem Webserver ein Redaktionssystem. Lass Dich in das Redaktionssystem einweisen oder bereite Dich auf Selbststudium vor!. Kümmre Dich um die Texte selbst. Finanziell müsste das Ganze in der Größenordnung von 10€-20€ im Monat enden, plus den Kosten für die Agentur. Das sind sicher mehrere hundert von Euros, da spielen die jährlichen Kosten für den Domain-Namen praktisch keine Rolle mehr. Je nachdem wie klar Du Dir vorher darüber warst, wie viel oder wie wenig Du willst, kann Dir die Agentur auch noch weniger wichtige Leistungen bis zu zwei, drei tausend Euro abverlangen. Das ist nach oben offen…
Wie viel eine Agentur für monatliche Betreuung verlangt, kann ich nicht beurteilen. Als anständiger Digitaler Heimwerker mache ich das natürlich selbst :-).

2 Kommentare

  1. Toller Artikel! Ich möchte die Perspektive gerne noch um Angebote wie die 1&1 Do-it-yourself-Homepage oder jimdo ergänzen. Hier wird es dem motivierten Laien extrem leicht gemacht, ohne jegliche Programierkenntnisse eine durchaus ansprechende Seite zu erstellen. Im Hintergrund läuft dabei ein CMS, das eben superleicht anzupassen ist. Die Seitenerstellung ist dabei einfacher (!) als ein MS Word Dokument zu erstellen. Natürlich ist ein gewisses graphisches Händchen erforderlich, damit die Seite eben nicht aussieht wie Sohnemanns Legokasten. Ich finde, auf meiner Seite http://www.lacanoa.com ist mir das ganz anständig gelungen. Wie gesagg, ohne irgendwelche Webkenntnisse. O.k. ich weiß wie man eine Maus bedient.

  2. Stimmt… diese Technologien hatte ich übersehen, danke für die Erweiterung! (und http://www.lacanoa.com ist jedenfalls ein positives Beispiel, daß so auf professionelle Webseiten gehen)

    Ich liebe es, wenn Social Media funktioniert!

    A propos die Community funktioniert: Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Billig-Hosting: Die WordPress-Community hat sich unter anderem über die Kreuzung aus Billig-Hosting und Security ausgelassen: http://weblogtoolscollection.com/archives/2011/02/11/the-state-of-wordpress-security/

    Quintessenz: Wer Webhosting für nur 5$/Monat anbietet, macht typischerweise Kompromisse bei Sicherheit, Stabilität und/oder Kundendienst.

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